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Handtäschlifrau
Unser mit Abstand meistgespieltes Radiolied. März 1982, die Musik lag fertig vor, der Text entstand unter Kopf- und Bauchweh in der Nacht vor dem letzten Studiotag, der Schreiber war eher froh, dass ers hinkriegte als auf den Text selbst. Das Beste am Lied ist nämlich das Fis auf der Handorgel. Es ist hier die letzte Note einer Melodie, die volkstümlich beginnt und gradaus in eine klare Dissonanz reinläuft. Was beweist, dass Harmonie wesentlich interessanter wird, wenn mindestens 1% Disharmonie drein verpackt werden. Gilt fürs Leben.

Sa Nissap'mô
Irgendwie das Gegenteil von Handtäschlifrau. Es hat nicht die übersichtliche Strophe/Refrain-Struktur, sondern wurde zusammengesetzt aus den besten Stellen einer zwanzigminütigen Improvisation in Fm: vier Noten Bass von hier, ein Gitarreschlenker von da, ein Break und ein entfernt verwandter Akkord von dort. Auch der Text huldigt dem König Zufall. Sa Nissap'mô ist fake japanisch, ein wahres Nichts, Fragen erübrigen sich, ein schöner Zustand. Der Hopplahopp-Anfang, wo ein Taktviertel schlicht verschluckt wird, ist eine unserer liebsten Stellen live.

Javaanse Jongens
Ein Intermezzo auf nur einem Instrument, der Elektro-Orgel Korg Delta, einer Juniorversion der legendären MS-10 und MS-20. Wir hoffen da immer, es seien keine Niederländer im Saal. Nicht zufällig ist hier der vielleicht einzige Druckfehler auf der CD-Rückseite: Dort steht <Javanese Jongens».

Zuerinacht
Eine von zwei langen Songs. Den haben wir mitternächtlich fast ohne Licht und improvisiert aufgenommen. Es geht da um die Vergänglichkeit von euphorischen Phasen, gemeint war damals die Jugendbewegung 80 und rundherum an neuen Freuden enstand, Musik, allgemeine Begeisterung und Ausgehen ohne Geld. Alles beginnt, dass irgendwo Kinder passieren, alles endet als Güselsäck a de Tramhaltstell.

Piccola
Unser Disco-Versuch. Wer geht in die Disco, fragten wir uns? Kleine Secondo-Italienermädchen, die tagsüber in der Fabrik arbeiten. Heute sind sie im Callcenter.

Schneller wohne
Klingt surreal, geht aber um Tatsachen und eine Beobachtung 1978 in Ostberlin: Die Menschen liefen langsamer, fuhren langsamer, assen langsamer und sprachen langsamer als die in Westberlin. Wir dagegen schnell. Sei's und im Multitasking.

Monika, Veronika
Frostschutz hat den Tick, aus Tragödien Komödien zu machen. Der Sänger gesteht einer Monika, dass er nur sie liebt. Nur sie und Veronika. Puh. Wieviele Ja-Worte verträgt ein Mensch?

Schnee Forever
Frostschutz hat auch einen Tick mit Winter, unsere Psychiater kamen aber noch nicht dazu, dies richtig zu würdigen, verordneten uns aber eine Frostschuzt-Tour, um das alles nochmals durchzumachen. Immerhin gehts hier auch um die Skilehrerdisco - das von der Lagerleitung grosszügig gestattete Tanzen am letzten Skilagerabend.

Völlix Schiff
Handorgelnummer, schneller als Ska. Familienstimmung auf dem Vierwaldstättersee mit Oranginaflecken und abgrundtiefem Schiffshorn.

Telephon Moi Non Plus
Der klassische Sex-Song, hier aber verhindert: Während «Je T'aime , Moi Non Plus» von Serge Gainsbourg läuft, versucht jemand, seinen/ihren Lover anzurufen, da ist aber dauernd besetzt. Beim letzten Versuch zündet er eine Zigarette an. Dem verwendeten Telephonsound kann man entnehmen, dass das alles lange her ist.

Euro Tango
Mit Janos an der Klarinette. Heimlicher Versuch einer Weltumarmung, hoffnungslos überfordert.

Föifermocke Reggae
Eine Version von Jonathan Richmans «Egyptian Reggae». Es war unser erstes Demo, selbst aufgenommen. Wir schickten das der damals frisch gegründeten Aktion Mundartrock, worauf wir auf den sogenannten «Dialäcktrock»-Sampler kamen und danach auch ans Mundart-Festival 1981 in Bern. Jener Auftritt war fünfzig Minuten Gänsehaut, für uns.

Heidi im Zug
Es gab eine deutsche Version unserer Skifahrer-LP. Für die haben wir fast alle Lieder in propperem Deutsch gesungen und «Handtäschlifrau» völlig umgetextet. Dazu verwendeten wir die klassischste Schweiz-Deutschland-Geschichte, das Heidi auf dem unfreiwilligen Weg nach Frankfurt. Mythen in Tüten.

Verliebt und Obdachlos
Coverversion von Martha & The Vandellas «Dancing In The Street», Musik von Marvin Gaye. Wer verliebt und obdachlos ist, wo tanzt der wohl? Eben. Das Stück war unser Abschied von New Wave. Die verkam 1982/83 zum üblen Mainstream, also sagten wir Tschüss. Hawaigitarre statt Nerv-Örgeli.

Kinderkreuzzug
Wir versuchten, das Gefühl zu vertonen, das Tausende von Kindern und Jugendlichen im Jahr 1212 gehabt haben müssen, als sie die Bauernhöfe ihrer Eltern verliessen, um zu Fuss irgendwie nach Jerusalem zu kommen. Die bekannteste Jugendbewegung des Mittelalters.

Remixes 2003 - 2004
Alles über die Remixes von Handtäschlifrau, Monika Veronika, Zürinacht und Schnee Forever/Javanse Jongens lest ihr hier.